Bei meinen Reitschülern habe ich oft den Eindruck, dass sie das Putzen eher als “notwendiges Übel” ansehen – kurz mit der Bürste einmal drübergehen, Sattel “drauf werfen” und möglichst schnell aufsteigen. Dabei kann es sooo schön und entspannend sein, sein Pferd ausgiebig zu striegeln, zu putzen und zu pflegen.

In diesem Artikel geht es darum, wie du dein Pferd richtig putzt, welche Dinge auf jeden Fall in deinen Putzkasten gehören und warum du dir immer genug Zeit für die Fellpflege nehmen solltest. 

Warum soll ich mein Pferd überhaupt putzen?

Ordentlich putzen und pflegen macht nicht nur Spaß, es hat auch ein paar echt wichtige Vorteile – es ist also in den meisten Reitställen nicht ohne Grund Pflicht, sein Pferd zuerst vernünftig zu putzen, bevor man endlich reiten darf. 

Bessere Bindung durch Fellpflege

Habt ihr schon einmal Pferde auf der Weide gesehen, die sich gegenseitig am Widerrist knabbern? Sie pflegen sich so gegenseitig das Fell. Putzt ihr euer Pferd gründlich und mit Liebe, simuliert ihr – natürlich einfach gesagt – genau diese gegenseitige Fellpflege. 

Das baut Vertrauen auf und stärkt die Bindung.

Druckstellen und Entzündungen vermeiden

Spätestens, wenn ihr euer Pferd sattelt oder mit Gamaschen oder Bandagen ausstattet, kann es zu fiesen Druckstellen und Entzündungen kommen, wenn euer Pferd nicht richtig geputzt ist. Vor allem die Gurtlage sollte dabei beachtet werden – viele Pferde sind dort kitzelig oder werden nicht gern dort geputzt, weswegen es sehr oft zu offenen Stellen kommt, wenn der Gurt gegen Sand, Staub oder Matsch reibt, der nicht ordentlich weggeputzt wurde.

Hautkrankheiten, zum Beispiel Sommerekzem vermeiden

Auch wenn ihr nicht reitet, solltet ihr euer Pferd ab und zu putzen, damit sich Staub und Schweiß nicht festsetzen. So könnt ihr zum Beispiel Ausschläge und ernste Krankheiten wie zum Beispiel das Sommerekzem vermeiden oder zumindest oft etwas mildern. 

Welche Bürsten brauche ich in meiner Putzbox?

Die Auswahl an Putzbürsten, ganzen Putzkoffern und Putztaschen ist groß, von sehr günstig bis ziemlich teuer ist eigentlich alles dabei – aber was braucht man eigentlich?

Die wichtigste Grundausstattung besteht aus: 

  • Striegel
  • Kardätsche
  • Wurzelbürste
  • Hufkratzer
  • Kamm

Ein paar zusätzliche Bürsten mehr schaden aber auch nicht 🙂

Striegel: Am besten aus Gummi

Für Anfänger eignet sich ein Gummistriegel am besten. Diesen könnt ihr nutzen, um in kreisförmigen Bewegungen den groben Dreck aufzulockern und auszubürsten. Alternativ zum Gummistriegel gibt es auch noch Metallstriegel, von diesem würde ich Anfängern aber eher abraten – im Gegensatz zum Gummistriegel ist ein Metallstriegel sehr hart und kann schnell unangenehm für das Pferd werden. 

Produktempfehlung: Gummistriegel

  • mittlere Größe
  • für Kinder und Erwachsene gut geeignet
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Kardätsche: Mit weichen Borsten gegen den Staub

Die Kardätsche ist der weiche Gegenspieler zum Gummistriegel, mit ihr bürstet ihr den groben Dreck, den ihr mit dem Striegel aufgelockert habt, einfach aus. Wichtig: Immer in Fellstichtung streichen. 

Produktempfehlung: Kardätsche

  • günstiges Modell
  • muss aber auch nicht das teuerste sein 🙂

Wurzelbürste: Die Bürste für alle Fälle

Was auf keinen Fall fehlen darf, ist die Wurzelbürste – sie ist ein wahrer Alleskönner. Am Pferd bürstet ihr damit Beine und Hufe, sie eignet sich aber auch perfekt, um eure Schuhe, euren Helm oder alles andere zu putzen.

Produktempfehlung: Wurzelbürste

  • mittlerer Härtegrad
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Hufkratzer: Am besten mit einer kleinen Bürste

Bei Hufkratzern gibt es im Wesentlichen zwei verschiedene Versionen: Den mit und den ohne kleine Bürste dran. Ich persönlich empfehle immer den mit Bürste, damit ihr den ausgetratzten Dreck auch direkt wegbürsten und so sicher entfernen könnt. Wenn ihr euch für den Auskratzer ohne Bürste entscheidet, solltet ihr beim Hufe kratzen am besten auch immer eine Wurzelbürste (ich sag ja, Alleskönner) zur Hand haben. 

Produktempfehlung: Hufkratzer

  • mit kleiner Kunststoff-Bürste
  • super günstig
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Kamm oder Bürste für Mähne und Schweif

Die Mähne und vor allem der Schweif sollten immer so vorsichtig wie irgendwie möglich gekämmt werden. Hierfür eignet sich eine Mähnenbürste hervorragend, im Notfall tut es aber auch eine normale Haarbürste. 

Produktempfehlung: Mähnenbürste

  • liegt gut in der Hand
  • leichte Kämmbarkeit
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Mit diesen fünf Bürsten habt ihr die Grundausstattung, mit der ihr euer Pferd ordentlich putzen könnt. Ich persönlich hab aber gern noch ein paar Bürsten mehr zur Hand – was in meiner eigenen Putzbox nicht fehlen darf, zeige ich euch jetzt:

Schmusebürste: “Kuschelkardätsche” für’s Gesicht

Die Schmusebürste sieht aus wie eine Kardätsche, ist aber viel weicher. Sie ist perfekt für empfindliche Stellen und kann deswegen super benutzt werden, um das Gesicht zu bürsten – natürlich nur, wenn es nötig ist oder euer Pferd das mag. 

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Putzhandschuh aus Fell oder Mikrofaser

Meine Geheimwaffe gegen Staub: Der Putzhandschuh aus Lammfell oder Mikrofaser. Er zieht den Staub magisch an, sodass das Pferd nach der Putz-Session richtig schön glänzt. Ich selbst nutze das Fell-Modell, der Mikrofaser-Handschuh soll aber auch gut funktionieren. 

Der Handschuh kann ausgeklopft oder auch einfach in der Maschine mitgewaschen werden, sodass er wirklich lange hält. 

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Tücher für Augen und Nüstern

Verklebte Nüstern oder Augen lassen sich schlecht mit Bürsten reinigen – im Gegenteil: Die Gefahr, dass ihr Staub oder Dreck in die Augen bürstet, ist relativ hoch. Deswegen hab ich immer 1-2 saubere Tücher im Putzkasten, die schnell Abhilfe schaffen können. Hier müssen keine Premium-Tücher her, normale Stofftaschentücher reichen völlig. 

Federstriegel: Aber bitte vorsichtig

Der Federstriegel sollte nur bei erfahrenen Reitern und Pferdepflegern in die Putztasche wandern – sonst ist die Gefahr, dass ihr eurem Pferd wehtut, relativ hoch. Dennoch ist der Federstriegel eine meiner Lieblingsbürsten für ganz harte Fälle, denn er schafft auch eine wirklich dicke, eingetrocknete Matsch-Schicht. 

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Das ist meine persönliche Putzkasten-Ausstattung – wobei natürlich über die Jahre auch immer wieder neue Lieblinge dazu kommen und alte Bürsten und Tücher ausgetauscht werden. 

Welche Putzbox ist die beste? Putzkästen im Vergleich

Gerade für Reitanfänger ist die erste eigene Putzbox super wichtig: Stiefel kommen meist direkt in den Keller oder müssen draußen ausgezogen werden, die Reithose wandert sofort in die Waschmaschine – das eigene Putzzeug ist als Pferdemädchen also erstmal das einzige, was man von seinem Hobby mit nach Hause nimmt, schließlich bleibt das Pferd leider im Stall.

So ist die Auswahl der “perfekten” Putzkiste mindestens genauso emotional wie praktisch getrieben – am Ende spielen also Lieblingsfarbe & Co eine große Rolle (und das ist okay 🙂 ). 

Die richtige Putzbox finden – darauf solltet ihr achten:

Ein paar praktische Dinge, auf die ihr bei der Auswahl achten solltet: 

  • genug Platz – ich hab ja gerade schon erwähnt, dass die Putzbürsten-Sammlung mit der Zeit immer weiter wächst. Plant also auf jeden Fall Platz für 3-4 Bürsten mehr ein, sodass ihr nicht bei der nächsten Gelegenheit direkt eine neue Putzbox braucht
  • Stabilität – Pferde sind, plump gesagt, ziemliche Trampeltiere. Und die Putzbox steht eigentlich immer in unmittelbarer Nähe. Achtet deswegen darauf, dass sie stabil ist und nicht bei der kleinsten Berührung kaputt geht – das wäre ärgerlich. 
  • Aufteilung – ob ihr einzelne Fächer wollt, oder nicht, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab. Ich persönlich hatte schon immer einen eher unordentlichen Putzkasten, viele andere mögen es aber lieber, wenn alles seine Ordnung hat. 

Putzkiste oder Putztasche – was ist besser? 

Ich erinnere mich noch gut daran, als Putz-Rucksäcke langsam Einzug im Pferdestall gehalten haben – damals gab es regelrechte Glaubenskriege darum, was nun die bessere Wahl ist. 

Aber mal ehrlich: Ob Putzbox, Putzkiste, Putztasche oder Putzrucksack ist eurem Pferd am Ende völlig egal. Ein Putzrucksack hat den großen Vorteil, dass er nicht direkt kaputt geht, wenn ein ungestümes Trampeltier mal mit seinem Huf dagegen tritt. Außerdem ist er einfach handlicher als eine sperrige Box. Der große Nachteil an Rucksack oder Tasche ist, dass es hier oft unordentlicher zugeht, weil in der Regel alle Bürsten nach der Benutzung einfach wieder hineingeworfen werden. 

Die Putzbox ist dagegen der “Klassiker” – durch verschiedene Fächer kann hier besser Ordnung gehalten werden und alles wirkt aufgeräumter. Größere Putzkoffer bieten auch mehr Platz als der klassische Rucksack, aber dafür gehen Putzkisten eben schneller kaputt. 

Alles in allem, wie gesagt, eine Glaubensfrage. Ich war früher großer Verfechter von Putzboxen, nutze mittlerweile aber selbst eine Tasche, weil ich es einfach angenehmer finde. 

Die besten Putzboxen & Putztaschen: Meine Top 3 Testsieger

Platz 1: Meine Putztasche

Die große USG-Putztasche ist mittlerweile mein absoluter Liebling. Sie bietet genug Platz für mein Putzzeug, Handy, Schlüssel und eine Hand voll Leckerlis, sodass man immer alles griffbereit hat.

Produktempfehlung: USG Putztasche blau/braun

  • in zwei verschiedenen Größen verfügbar
  • in verschiedenen Farben erhältlich
  • sehr geräumig mit verschiedenen Fächern

Ähnliche Taschen gibt’s auch mit Nici-Motiven (sogar von Escadron) oder im kindgerechten Einhorn-Design 🙂

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Platz zwei: Stabiler Putzkasten von Waldhausen

Ich selbst hatte den Putzkasten von Waldhausen zugegebenermaßen nie, aber er war immer sehr beliebt bei meinen Reitschülern. Die Kiste ist nicht teuer, für den Preis aber recht stabil. Ich würde trotzdem empfehlen, sie immer weit genug zur Seite zu stellen, wenn ein Pferd sich erschrickt und mit Vollgas in den Putzkasten springt, hält er das nämlich leider trotzdem nicht aus.

Produktempfehlung: Putzkasten Waldhausen

  • recht groß und geräumig
  • relativ stabil und robust
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Platz 3: Meine allererste Putzbox

Ich gebe zu: Platz 3 gehört eigentlich nicht zu meinen Favoriten – allein schon, weil der Kram, den ich über die Jahre gesammelt hab, dort gar nicht mehr hineinpassen würde. Aber: Die Box eignet sich wirklich gut für Reitanfänger. Sie ist schon mit den wichtigsten Bürsten gefüllt und super günstig. Zusätzlich lässt sich der eigene Name oder der Name des Lieblings-Pferdes gravieren.

Ich selbst hab auch mit diesem Putzkasten angefangen und jede freie Minute bei meiner damaligen Pflegebeteiligung „Sandy“ verbracht – ich kann sie also für Reitanfänger absolut empfehlen.

Produktempfehlung: Putzkiste für Anfänger

  • schon mit den wichtigsten Bürsten gefüllt
  • perfekt als Einsteiger-Putzkasten
  • in verschiedenen Farben erhältlich

Wann sollte ich mein Pferd putzen? 

Ist die Putztasche erstmal gepackt, kann es losgehen. Generell kannst du dein Pferd immer putzen – in manchen Reitställen gibt es sogar sogenannte “Pflegebeteiligungen”. Entscheidest du dich für eine Pflegebeteiligung, kannst du – auch ohne ein eigenes Pferd zu haben – dein Lieblingspferd allein putzen, pflegen und oft auch spazieren gehen, wann immer du Lust und Zeit hast.

Unbedingt geputzt werden möchte dein Pferd vor dem Reiten, beziehungsweise bevor du den Sattel auflegst. Sobald gesattelt und aufgetrenst wird, ist es wichtig, dass alle Flächen, die von Sattel, Sattelgurt oder Trense berührt werden, sauber sind. Vergisst du, dein Pferd vor dem Reiten zu putzen, kann es zu Druckstellen oder kleinen Wunden kommen, die sich entzünden.

Wie oft sollte ich mein Pferd putzen? 

Generell kannst du so oft putzen, wie du möchtest – wichtig dabei ist nur, dass du nicht vergisst, dass ein Pferd auch mal eine Pause braucht und seine Ruhe haben will. Wie lange das Tier Spaß hat und kuscheln will, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. 

Bei uns wird einmal täglich geputzt, etwa 20-30 Minuten lang. Am Wochenende auch mal länger, an sehr heißen Tagen duschen wir unsere Pferde auch komplett.

Wie putze ich mein Pferd richtig? Anleitung in drei Schritten

Wir wissen nun, mit welchen Bürsten, wann und wie oft wir unser Pferd putzen sollten – die wichtigste Frage ist aber noch offen: Wie putze ich denn nun richtig? 

Schritt 1: Striegel und Kardätsche

Zuerst kümmerst du dich um den groben Schmutz. Diesen entfernst du mit dem Gummistriegel in großen, kreisenden Bewegungen. Du kannst ruhig mit etwas Druck rangehen, das tut deinem Pferd nicht weh. 

Anschließend steichst du mit der Kardätsche den gelockerten Dreck und Staub herunter und das Fell wieder glatt. Das funktioniert am besten mit geraden, langen Bürstenstrichen in Fell-Wuchsrichtung. 

Wichtig: Achte hier besonders darauf, dass die Sattellage gut geputzt ist. Auch den Bauch nicht vergessen!

Schritt 2: Beine und Hufe

Ebenso wichtig wie der Körper und die Sattellage, sind Beine und Hufe. Die Beine kannst du in geraden Strichen mit der Wurzelbürste schrubben. Wichtig ist hier nur, dass du auf die sogenannte Kastanie am Innenbein aufpasst – diese solltest du nicht wegputzen oder verletzen. Lege deswegen am besten die Hand über die Kastanie, wenn du die Pferdebeine putzt. 

Als nächstes kommen die Hufe dran. Nimm hierfür einen Huf nach dem anderen hoch und kratze mit der Metall-Seite des Hufkratzers an den Strahlfurchen entlang. Achtung: Bitte sei vorsichtig, damit du den Strahl nicht verletzt, das kann deinem Pferd wehtun. Sind Dreck und Steine entfernt, bürste mit dem kleinen Bürstchen nochmal den kompletten Huf ab. Danach kannst du den Huf wieder abstellen.

Schritt 3: Mähne und Schweif

Ob du Mähne und Schweif vor oder nach Beinen und Hufen machst, ist eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass du an alles denkst 🙂 Die Mähne wird vorsichtig mit einer Bürste durchgekämmt – wichtig hier ist, dass du wirklich vorsichtig bist und nicht unnötig viele Haare ausreißt. 

Der Schweif wird in der Regel nicht durchgekämmt, sondern “ausgelesen”. Hierfür stellst du dich an die Seite deines Pferdes (niemals direkt hinter das Pferd!), nimmst den Schweif in die Hand und entfernst grobe Knoten, Heu und Stroh mit der Hand. 

Fertig ist die “Katzenwäsche” für dein Pferd 🙂 Natürlich musst du hier nicht aufhören, sondern kannst beispielsweise mit einem Fellhandschuh den restlichen Staub oder – nach Bedarf – mit einem Tuch oder Schwamm die Augen und Nüstern putzen, die Schmusebürste für das Gesicht nutzen oder die Hufe einfetten. Wenn du dein Pferd wirklich verwöhnen willst, kannst du also gut eine Stunde oder länger mit einer ausgiebigen Wellnessbehandlung verbringen. 

Viel Spaß beim Putzen!