Heubedampfer für Pferde sind leider sehr teuer und deshalb ist es für die meisten Pferdebesitzer schwer einen Heubedampfer einfach mal nur auszuprobieren. Nicht jedoch mit der DIY Variante. Für ca. 80 Euro kannst du dir schon einen Heubedampfer selber bauen. Doch was taugen diese selbstgebauten Heubedampfer? Können sie mit den teuren Profigeräten mithalten?

Ich zeige die hier die verschiedenen Arten der Heubedampfer zum selber bauen, die Kosten und ihre Vor- und Nachteile und vergleiche ihre Leistung mit dem des Haygain.

DIY Heubedampfer selber bauen-Verschiedene Möglichkeiten

Variante 1: Die günstige Einsteigervariante

Für die günstigste Variante des Heubedampfers brauchst du nur 4 Teile und er kostet dich etwa 80 Euro. Die Variante ist am einfachsten und schnellsten umsetzbar und du kannst im nachhinein immer noch auf den Heubedampfer mit Tonne aufrüsten.

Du brauchst:

Der Dampftapetenablöser

Als Dampferzeuger empfehle ich dir den Wagner W16, er ist ein Tapetenablöser. Du füllst ihn einfach mit Wasser auf und er kocht dann das Wasser auf und es entsteht ein Nebel. Der Behälter fasst 5 Liter und gibt mit einer kompletten Füllung bis zu 70 Minuten Wasserdampf ab.

Ich habe noch den Vorgänger W14 im Einsatz schon seit ca. 5 Jahren und er läuft immer noch. Man sollte nur darauf achten, den Behälter ab und zu zu entkalken und nicht überhitzen zu lassen, dann hat man lange Freude an dem Bedampfer.

  • günstig
  • gute Qualität
  • Langlebig
  • top Verdampferleistung

Der Dampfsack

Statt wie bei gewöhnlichen Bedampfer wird bei der ganz einfachen Variante ein Sack zum Bedampfen genutzt.

Beim Kauf des Sacks solltest du darauf achten, dass der Sack dicht, stabil, reißfest, Temperaturen bis ca. 100°C aushält und keine Schadstoffe freisetzt.

Polypropylen (PP) eignet sich gut als Material, denn es ist reißfest und hält hohe Temperaturen aus. 

Polyethylen (PE), aus dem die meisten Beutel, Taschen und Müllsäcke hergestellt sind, ist hingegen leider ungeeignet. Denn es hält nur Temperaturen bis ca. 80°C aus. Was zu wenig ist, um die Temperaturen auszuhalten die beim bedampfen entstehen.

Die für Heubedampfer ebenfalls häufig verwendeten Kunststofftonnen, Eimer und Kisten aus PVC sind zwar grundsätzlich hitzebeständig, können aber gerade beim erhitzen gesundheitsschädliche Weichmacher freisetzen. Im Polypropylen sind hingegen keine Weichmacher enthalten.

Einen guten Dampfsack gibt es bei Amazon von GardenMate für 19 € im Doppelpack.

  • Hitzebeständig
  • reißfest
  • in verschiedenen Größen erhältlich
  • keine Weichmacher enthalten

Es gibt viele ähnliche Produkte bei Amazon, du solltest jedoch beim Kauf prüfen, ob diese alle Anforderungen erfüllen. Der Sack von GartenMate hält bei täglicher Benutzung ca. 1,5 Jahre.

Bei einem Volumen von 270 Litern passen zwei mittelgroße Heunetze mit jeweils ca. 6 kg in den Sack. Wer noch größere Mengen bedampfen will, findet auch auch Säcke mit 400 Litern oder 500 Litern Volumen für rund 19,-€ bzw. 24,-€ im Zweierpack ohne Versand. (Momentan gibt es die ganz kleinen Säcke nicht deswegen habe ich euch die 400 Liter Säcke oben verlinkt).

Ich verwende die Heunetztasche und das Netz von Konege. Die Heutasche bzw. das Netz ist aus Polypropylen und somit hitzebeständig, außerdem ist sie reißfest und Schadstofffrei.

Die Zeitschaltuhr

Du brauchst nicht unbedingt eine Zeitschaltuhr jedoch kann ich dir nur empfehlen dir eine zuzulegen. Denn so ist das Heu bereits bedampft wenn du im Stall ankommst bzw. du kannst alles vorbereiten und die Uhr so stellen dass sie zu einer bestimmten Uhrzeit bedampft, damit der Stallbursche nur noch das bedampfte Heu füttern muss. Außerdem stellt sich der Bedampfer dann nach einer bestimmten Zeit von alleine aus. Da schützt vor einer Überhitzung und verhindert Verkalkungen deines Bedampfers.

  • für den Außenbereich geeignet
  • robust
  • einfach zu bedienen

Aufbau

Eigentlich gibt es gar keinen Aufbau in dem Sinne, du kannst direkt mit dem Bedampfen loslegen.

Du füllst dazu den Tapetenlöser mit Wasser, packst die Heunetze in den Sack und tust den Schlauch des Bedampfers in die Mitte der Netze. Drehst den Sack um und schaltest deinen Bedampfer ein. Da der Dampf nach oben steigt, solltest du darauf achten, dass der Schlauch weit unten liegt.

Wenn du das Heu direkt frisch bedampfst und nicht für später vorbereitest, kannst du es zusätzlich mit einer Gießkanne anfeuchten um den Effekt zu verstärken.

Variante 2: Heubedampfer selber bauen mit Tonne

Du brauchst:

  • einen Dampftapetenablöser
  • eine Tonne (entweder bei der Gemeinde fragen oder bei Amazon bestellen)
  • Gitterrost (entweder selbst gebaut oder bereits fertig gekauft)
  • Heunetze
  • optional: einen Timer der den Dampfvorgang automatisch startet und beendet
  • Dämmmaterial (damit die Hitze besser in der Tonne bleibt)

Aufbau

  1. Zunächst bauen wir einen Rost, du kannst diesen komplett selbst bauen oder du kaufst die ein Fahrradkorb oder einen Grillrost. Wichtig ist das der Rost sich ca. 30 cm über dem Boden befindet. Bei der Materialauswahl solltest du darauf achten, dass es rostfrei ist.
  2. Danach nimmst du dir die Tonne und bohrst ein Loch ca. 3 cm unter dem Rost. Das Loch sollte vom Durchmesser ein wenig größer sein, als der Durchmesser des Schlauchs des Tapetenablöser, da wir den Durchstecken möchten. Jedoch sollte das Loch wirklich auch gerade so groß sein, dass der Schlauch durchpasst, da ansonsten zu viel Dampf entweichen kann. Gut dafür eignet sich ein Holzbohrer mit einem Durchmesser von ca. 15 mm.
  3. Um die Temperatur so hoch wie möglich zu halten, ist es ratsam den Schlauch des Tapetenablösers auf ein Minimum zu kürzen.
  4. Um deine Tonne zu isolieren kannst du danach noch Dämmmaterialien anbringen.
  5. So jetzt musst du nur noch alles zusammenstecken. Das heißt den Rost in die Tonne stellen, dann den Schlauch des Tapetenablösers in das Loch (ggf. noch mit Tape befestigen). Anschließend den Tapetenablöser mit Zeitschaltuhr verbinden und an den Strom anschließen.
  6. Wie bereits oben gesagt, kannst du nach den ersten Bedampfvorgängen deinen Heubedampfer mit Hilfe der Zeitschaltuhr selbst starten lassen. Das ist super praktisch, denn so hast du direkt bedampftes Heu, wenn Fütterungszeit ist. Achte jedoch darauf, dass genug Wasser im Tapetenablöser ist und das Heu nicht lange feucht in der Tonne liegt. Denn wenn das feuchte Heu zu lange rumliegt, können sich Pilze bilden.

Das Heu bedampfen

  1. Stopfe deine Heunetze die du bedampfen möchtest.
  2. Lege die Heusäcke in deine Tonne.
  3. Laut Originalanleitung soll das Heu vor dem Bedampfen mit einer Gießkanne übergossen werden, damit sich der Dampf schneller ausbreiten kann. Ich selbst habe beides ausprobiert also trockenes Heu und übergossenen Heu und konnte keinen Unterschied feststellen.
  4. Fülle Wasser in den Tapetenablöser und schalte ihn ein. Je nach Menge des Heus und Größe des Heubedampfers dauert das bedampfen ca. 30-60 Minuten.
  5. Das Heu solltest du direkt nach dem bedampfen verfüttern.
  6. Das Restwasser im Tapetenablöser solltest du wegschütten, da sich darin Kalk sammelt.

Pflege und Reinigung deines selbstgebauten Heubedampfers

Du solltest deinen Heubedampfer mindestens einmal die Woche reinigen. Dazu entfernst du Heurückstände aus der Tonne und spülst die Tonne mit Wasser aus. Tonnen mit Rädern sind deswegen besonders praktisch, da sie sich einfacher bewegen lassen.

Circa einmal monatlich solltest du außerdem den Tapetenablöser entkalken.

Vergleich selbstgebauter Heubedampfer vs. Haygain

Wie ihr seht ist es recht einfach und günstig einen Heubedampfer selber zu bauen. Doch taugt der günstige Heubedampfer zum selber bauen genau so viel wie das teure Modell von Haygain? Cavallo hat die zwei Modelle getestet (hier gehts zum Test). Laut Cavallo schneidet der Haygain besser ab, was ganz klar ist, denn er hat einfach mehr Power und ist besser abgedichtet. Der Haygain wird heißer und damit werden auch Sporen abgetötet, was bei der selbstgebauten Variante nicht der Fall ist.

Das Heu aus dem Haygain kannst du auch noch nach 3 Tagen verfüttern. Das Heu aus der Tonne solltest du hingegen sofort verfüttern, da Pilze im Heu sprießen. Der Grund dafür ist das Wasser, welches man über das Heu in der Tonne gießen sollte, damit der Dampf besser nach oben steigt. Liegt das feuchte Heu ein paar Tage, wachsen Pilze. Das Heu im Haygain muss hingegen nicht gewässert werden.

Laut verschiedener Seiten birgt der Einsatz von dem selbstgebauten Heubedampfer ein Gefahrenpotential, weswegen diese Seiten, den selbstgebauten Bedampfer nicht empfehlen. Ich selbst habe mein Heu jahrelang mit der DIY-Tonne bedampft und hatte keine Probleme damit. Das Heu hat nach dem Bedampfen herrlich gerochen und wurde von Vinci sehr gerne gefressen. Außerdem hat es seine Atemwegsbeschwerden gelindert.

Natürlich ist der Haygain wesentlich besser, er kostet aber auch einfach mal das 10-fache. Wer also nicht das Geld für einen Haygain hat, kann sich mit der Selbstbauvariante mit der Tonne sehr gut behelfen. Die Sackvariante finde ich persönlich ungeeignet, da die benötigte Mindesttemperatur von ca. 70-100 Grad nicht erreicht wird und sich der Dampf schnell verflüchtigt.

Vor- und Nachteile des DIY-Heubedampfer

Vorteile:

  • Günstig
  • schnell Nachgebaut
  • meiner Meinung nach besser als nichts

Nachteile:

  • muss sorgfältig gereinigt werden
  • Pilzsporen werden nicht abgetötet
  • Heu muss sofort verfüttert werden

Fazit Heubedampfer selber bauen

Meiner Meinung nach ist der Heubedampfer zum selber bauen eine gute Alternative zum Haygain. Jedoch ist er von der Qualität nicht vergleichbar mit dem Haygain. Wer sich einen Heubedampfer selbst baut, sollte penibel darauf achten, dass kein schädliches Material zum Bau verwendet wird und das Heu stehts sofort verfüttern. Außerdem sollte der Heubedampfer wöchentlich intensiv gereinigt werden um die Keimbelastung gering zu halten.

Allgemein möchte ich zum Schluss noch sagen, dass schlechtes Heu keinesfalls durch das Bedampfen besser wird, weder mit dem DIY-Bedampfer oder dem Haygain.